Einleitung
Die Erde, welche man in seinem Garten vorfindet, ist zum Ziehen von Nutzpflanzen oft nicht ideal. Ich habe gelesen, dass es 5 bis 7 Jahre dauern kann, in denen man seine Gartenerde mit Nährstoffen und organischem Material „füttert“ und „verbessert“ bis sie tatsächlich das leisten kann, was man haben möchte.

Wenn Deine Gartenerde bereits gut mit Nährstoffen und organischem Material versorgt ist, eine fluffige, krümelige Struktur hat und Du so viel davon hast, dass Du damit auch noch ein Hochbeet auffüllen kannst, dann brauchst Du nicht wirklich weiterzulesen. Den meisten Leuten geht es aber leider nicht so.

Bei SFG (-> Squarefoot Gardening) wird empfohlen eine Erdmischung zu erstellen, die „Mels Mix“ heißt, sie setzt sich zusammen aus:

  • 1/3 Vermiculit (auf english: Vermiculite) – für Lockeren Boden
  • 1/3 Kokoserde (auf english: peat moss) – für Wasserspeicherung
  • 1/3 Kompost (auf english: compost) – für Nährstoffe

Das ist nachvollziehbar, wenn man weiß, was für Eigenschaften die einzelnen Komponenten haben.

 

Vermiculit
In Deutschland kennt kaum einer Vermiculite/Vermiculit. Es soll die Erde Lockerheit geben und verhindern, dass sich nasse klebrige Erdklumpen bilden, damit die Wurzeln leicht ihren Weg finden. Nach einigem Suchen, bin ich im Zooladen fündig geworden, weil Vermiculit wohl als „Bettchen“ beim Ausbrüten von Reptilieneiern benutzt wird. Okay – es wird nur in kleinen Tüten verkauft & ist natürlich dann auch entsprechend teuer.

 

Vermiculite

 

Vermiculit heißt auf Deutsch auch „Wurmstein“- Wikipedia sagt: „Vermiculit gehört zu den Tonmineralen, die durch ihre Ionenaustauschfähigkeit maßgeblich zur Bodenfruchtbarkeit beitragen. […] Fundorte sind unter anderem die Halbinsel Kola in der Russischen Föderation, Phalaborwa in Südafrika sowie Milbury in den USA. […]Vermiculit wird industriell in Katzenstreu und zur Produktion von Karnevalsartikeln (Feuerwerkskörper) eingesetzt. Da es anders als Asbest nicht krebserregend wirkt, findet es auch bei der Schall- und Wärmedämmung sowie im Brandschutz Anwendung. Die Hälfte der Jahresproduktion stammt aus Südafrika.“ Wurmstein wird abgebaut.

 

Also, es ist teuer, ist ein kein nachwachsender Rohstoff und wird von Weither importiert- Insgesamt scheint es damit nicht ganz das beste Mittel der Wahl zu sein.

Manche verwenden Bio-Katzenstreu ohne Duftstoffe statt Vermiculit, da es ähnliche Eigenschaften haben soll und auch Vermiculit enthalten kann. Das Bio-Katzenstreu hier wird oft aus einheimischen Hölzern gewonnen. Die sind nachwachsend und haben nur kurze Strecken hinter sich – im Gegensatz zu Vermiculit .

 

Kokoserde
Kokoserde ist hier schon leichter zu bekommen. Selbst ein großes schwedisches Möbelhaus hat sie derzeit im Sortiment. Kokoserde besteht aus den Fasern der Kokosnusshülle, die meist zu einem Ziegel gepresst, aber auch als loses Substrat verkauft wird. In Verbindung mit genügend Wasser, quillt der Ziegel auf und gewinnt damit etwa das 9-fache seines Volumens. Jeder der schon mal mit den kleinen Anzuchttöpfchen gearbeitet hat, kennt diesen Effekt. Kokoserde hat also gute wasserspeichernde Eigenschaften.

 

 

Meist werden wohl eher die „kurzen Fasern“ im für Blumenerde verwendet und die langen zur Herstellung von Fußmatten etc.

Eine Kokospalme trägt im Jahr bis zu 3x Kokosnüsse, aus deren äußerer Schale die Kokosfasern gewonnen werden- damit ist dies ein nachwachsender Rohstoff und die Neuverwendung eines ehemaligen Abfallstoffs. Unschön ist dann nur noch die lange Anreise des Materials.

Weil Kokosfasern von Natur aus keine nennenswerten Nährstoffe enthalten, bekommt man die Kokoserde-Ziegel oft bereits mit Dünger versetzt. Kokoserde sollte allerdings nicht für sich allein als Gemüseerde benutzt werden. Es ist „nur“ ein guter Wasserspeicher, ohne organisches Material, Bodenlebewesen, Mikroorganismen oder nennenswerte Nährstoffe. Also kann das was künstlich gedüngt darin wächst auch nicht sehr Nährstoffeich oder gesund sein und die Pflanzen sind anfälliger für Krankheiten. Ich versuche also möglichst ungedüngte Kokos-Ziegel zu bekommen und meine Erde mit pflanzlichem Dünger und Kompost zu füttern, aber das kann ja jeder halten, wie er es gerne hat.

 

kokosziegel

 

Kompost
Kompost ist wohl am bekanntesten. Jeder Gärtner, den ich kenne, schwört darauf. Ich finde: zu Recht. Im Kompost haben unzählige Mikroorganismen dafür gesorgt, dass aus abgestorbenen Pflanzenteilen wieder nährstoffreiche Erde wird. Dieses organische Material mit seiner Komplexität aus Nährstoffen in Verbindung mit Mikroorganismen und Bodenkleinstlebewesen kann, meines Erachtens, kein künstlicher Dünger bieten oder gar ersetzen.

Es gibt viele Quellen mit Informationen zur Herstellung von Kompost. Allerdings wird der Aufbau eines Komposthaufens manches Mal zu einer Kunst erhoben und leider oft kompliziert dargestellt mit vielen Regeln statt Vorschlägen. Das nimmt Anfängern trauriger Weise oft alle Freude an diesem Thema, statt sie zum Ausprobieren zu ermutigen. Lasst euch nicht entmutigen, es ist nicht schwer!

Wenn man (noch) keinen eigenen hat, kann man Kompost auch kaufen. In großen Säcken z.B. im Baumarkt, Pflanzenmärkten oder bei der Stadt.

 

kompost

 

Aus den gewonnenen Erkenntnissen, habe ich für meinen Garten dann wie folgt entscheiden:
Ich brauche eine andere Erde im Hochbeet, als die, die mein Garten hergibt, da die Erde in meinem Garten eher sauer ist (Blaubeeren, Rhododendron und Hortensien wachsen hier gerne.)

„Mels Mix“ ist in seiner Zusammensetzung, meines Erachtens, für Deutschland nicht gut geeignet. Vermiculit ist schwer zu bekommen und sehr teuer. Vor Allem aber, wiederstrebt es mir Vermiculit in solch großen Mengen zu verwenden, da es kein nachwachsender Rohstoff ist.

Es gilt also einfach auszuprobieren und eine andere Mischung bzw. ein anderes Mischverhältnis zu finden.

 

Schlussendlich hatte ich in meinem ersten Hochbeet (1,20 x 1,80m groß) folgende Mischung, die hervorragend fluffig ist und gut funktioniert:

  • Zwei Säckchen Vermiculit (einmal grob & einmal fein, leider ohne irgendeine Mengenangabe- es ist sehr, sehr leicht)
  • 10 Ziegel Kokoserde (natürlich aufgequollen)
  • 4 Säcke Kompost (jeweils 80 Liter)
  • 3 Säcke ganz normale Blumenerde (jeweils 60 Liter)

In meinem zweiten Hochbeet (0,50×2,40m) änderte ich die Mischung nochmal, weil ich auf Vermiculit verzichten wollte:

  • 8 Ziegel Kokoserde (aufgequollen)
  • 3 Säcke Kompost (jeweils 80 Liter)
  • 1 Sack ganz normale Blumenerde (60 Liter)

 

Bestandteile für die Erdmischung

 

Auch das war gut. Ich möchte jetzt nur noch Etwas finden, was das Vermiculit sinnvoll ersetzen könnte, wenn das überhaupt notwendig ist. Ich habe gemerkt, dass die Erde/Kompost/Kokoserde-Mischung auch ohne Vermiculit sehr fluffig/krümelig bleibt, weil man ja im Hochbeet nie drauftritt.

In den Containern und Töpfen benutze ich eine Michung aus:

  • 1/3 Kokoserde
  • 1/3 Kompost
  • 1/3 kleines Lavagestein/Splitt

 

Erde

 

Das Lavagestein habe ich genommen, weil ich in einer sehr schönen Videoreihe auf Youtube gesehen habe, dass eine Gärtnerin immer Splitt unter ihre Erde mischt und auch die Setzkästen mit Splitt abdeckt.
Ich hatte kein Splitt da, aber weil die Vorbesitzer unseres Hauses einen Teich hatten, habe ich viel von diesem kleinen Lavagestein. Es hat super funktioniert.

Was ich euch damit zeigen will ist Folgendes:
Probiert euch aus, schafft eure eigene Mischung. Solange die Erde fluffig/krümelig ist und nährstoffreich, ist sie eine wahre Freude und alles ist in Ordnung.

 

Erdmischung

 

p.s. Ein weiterer Vorteil dieser Mischung ist, dass ich wirklich (ich konnte es kaum glauben) annähernd kein „Unkraut“ in den Beeten habe. Wenn Du diesen Effekt haben möchtest, solltest Du darauf achten, dass der Kompost gut verrottet ist, damit er keine Samen einbringt, die Du da nicht haben möchtest.

 

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2 Kommentare zu “Die “richtige” Erde

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